Dem Herbst gewidmet

Endlich hält der Herbst wieder Einzug! Vorbei ist die drückende Hitze dieses viel zu langen Sommers. Ich habe schon längst keine Lust mehr darauf, ständig verschwitzt zu sein egal wie viel oder wenig ich gerade anhabe. Weshalb war dieser Sommer auch so unerträglich lang und heiss? Viele können mich nicht verstehen, wenn ich ihnen erzähle, dass der Herbst meine Lieblingsjahreszeit ist. Verständnislos schütteln sie ihren Kopf und sehen mich ungläubig an. Deshalb möchte ich all diesen Leuten zeigen, weshalb gerade der Herbst es verdient hat, die schönste aller Jahreszeiten zu sein.

Wenn ich morgens aus dem Fenster schaue, hat der Nebel alles verschluckt, bis auf den alten Apfelbaum, der bei uns im Garten steht. Seine knorrigen Äste strecken sich in alle Himmelsrichtungen aus, als wollten sie die Sonne suchen. Der Nebel verschluckt nicht nur die Landschaft, sondern auch sämtliche Geräusche und ich habe das Gefühl ganz alleine zu sein auf der Welt. Es scheint mir, als sei ich in einem Märchenland aufgewacht. Oft mache ich mir einen Tee und setze mich dann in eine weiche Wolldecke gewickelt auf den Fenstersims. Schreitet der Morgen voran, bahnen sich langsam die ersten Sonnenstrahlen wie Finger ihren Weg durch den Nebel. Das Laub des Apfelbaumes beginnt zu leuchten, als die Sonnenstrahlen ihn erreichen. Der scheinbar undurchdringliche Nebel wird von der Sonne übermannt und löst sich langsam auf. Wenn auch die letzten Nebelschwaden verschwunden sind, bleibt bloss noch der feuchte Tau auf den Wiesen und Blättern übrig.

Für mich gibt es nichts Schöneres als ein kühler, sonniger Herbsttag. Dann kann ich endlich wieder meine Stiefel aus dem Keller holen, mich in einen warmen Pulli einmummeln und mir einen kuscheligen Schal um den Hals legen.

Wenn ich dann den ersten Schritt aus der Haustür mache, erfasst mich dieses unglaubliche Glücksgefühl. Ich atme die frische, kühle Luft ein und manchmal bilden sich beim Ausatmen auch schon kleine Wölkchen. Ich gehe beschwingt die Strasse hinunter, die auf beiden Seiten von Bäumen gesäumt ist. Ihre saftig grünen Blätter haben sich den Gesetzen der Natur gebeugt und verfärben sich in schillerndem Rot, Orange und Gelb. Ich steige eine schmale Treppe hinauf. Auf den Stufen liegt bereits das herabgefallene Laub und raschelt unter meinen Füssen. Ich bleibe stehen und schaue in den klaren, blauen Himmel hinauf. Wieder übermannt mich dieses Glücksgefühl. Ich breite die Arme über meinem Kopf aus und strecke mein Gesicht der Oktobersonne entgegen. Beim Weitergehen schlurfe ich bewusst ein Bisschen, damit die herabgefallenen Blätter noch etwas lauter rascheln. Sobald ich die letzte Stufe erklommen habe, erstreckt sich mein Lieblingspark vor mir. Er thront an einem Hang über der Stadt und bietet so den perfekten Aussichtspunkt. Ich sehe auf die sonnenbeschienen Dächer der Altstadt hinunter, sehe die vielen Menschen, die an diesem Samstag gemütlich durch die historischen Gassen bummeln und ihre Gesichter auf den Terrassen der Cafés ebenfalls der Sonne entgegenstrecken. Trotz des morgendlichen Nebels ist der Tag klar und ich kann in der Ferne hinter der Stadt die grünen Hügel sehen, die sanft ineinander laufen wie auf einem Gemälde.

Dann kehrt mein Blick zum Park zurück: Verschlungene von hohen Bäumen gesäumte Wege führen über das Gelände. Auch hier kann ich den Herbst bereits in all seiner Farbenpracht bewundern. Die Bäume mit besonders roten Blättern sehen durch das Sonnenlicht beinahe so aus, als würden sie in Flammen stehen. Ich wähle meine Lieblingsroute, die zu einem kleinen, etwas abgeschiedenen Teich führt. Trotz der vielen Paare, die Arm in Arm durch den Park schlendern, oder der zahlreichen Familien mit kleinen Kindern, verirrt sich kaum je jemand zum Teich. Ich trete ans Ufer und betrachte die glatte Wasseroberfläche. Einige farbige Blätter schwimmen auf dem klaren Wasser wie kleine Segelboote. Beim Anblick dieser vollkommenen Stille überkommt mich ein innerer Friede.

Nach einigen Minuten drehe ich mich um und spaziere zurück auf die grosse Wiese, von der aus man den besten Ausblick über die Altstadt hat. Dort breite ich mein Tuch aus und setze mich hin. Meinen Rücken lehne ich an eine alte knorrige Eiche an, wie ich es immer tue. Ich nehme mein Buch hervor und lasse mich in eine unbekannte Welt entführen. Für mich gibt es nichts Schöneres, als draussen zu lesen und dabei den Geräuschen der Natur zu lauschen. Damit ich diese auch hören kann, platziere ich mich immer etwas abseits der anderen Leute.

Das Sonnenlicht, dass durch die Bäume dringt, verteilt ihr goldiges Licht um mich herum.

Wenn das alles nicht Grund genug ist, dass der Herbst die schönste Jahreszeit ist!

4 Gedanken zu “Dem Herbst gewidmet

  1. Beat(e)s Welten schreibt:
    Avatar von Beat Altenbach

    Eine Seelenverwandte. Deine Eindrücke bringen mein Empfinden perfekt zum Ausdruck: Endlich Herbst nach einem viel zu langen Sommer! Endlich kann man wieder atmen! Ich werde mich zwar bestimmt auch wieder auf den Frühling freuen, aber jetzt ist Herbst, die schönste und bunteste Jahreszeit… und vor allem: In einer Woche ist wieder Herbstmesse 😊

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  2. sternfluesterer schreibt:
    Avatar von sternfluesterer

    Du musst in einer sehr schönen Gegend wohnen. Die Beschreibung Deines Herbstmorgens hat mir Bilder in meine Seele gemalt. Und ich konnte ganz und gar nachempfinden, wie Du den Herbst erspürst und mitfühlst, und was für ein Geschenk er für Dich ist.

    Es ist schön, dass ich das hier so lesen durfte, denn für mich ist der Herbst aus verschiedenen Gründen eine meist recht schwere Zeit. Ich versuche ihm aber auch gute Seiten abzugewinnen, ihn, wie jede Jahreszeit, die ich erleben darf, als etwas zu sehen, von dem ich auch annehmen darf.

    Einen Text, der das ein bisschen illustriert, möchte ich Dir zeigen – wenn Du magst, lies ihn gern. Er ist vor etwa einem Jahr entstanden. Du findest ihn hier:

    Tagebuchseite -673-

    Und als ich den Beginn Deines Textes hier las, erinnerte ich mich an ein paar Verse, die ich erst vor wenigen Wochen geschrieben habe. Die möchte ich als Dankeschön für Deinen Text hier auch gern mit Dir teilen:

    Verse -62-

    Im Übrigen habe ich mich dafür entschieden, Deinem Blog von nun an zu folgen. Ich möchte nichts mehr verpassen. Du schreibst sehr bildhaft, in einer schönen Sprache, hast einen sehr angenehmen Schreibstil. Gefällt mir sehr! (Hör‘ nicht auf damit!!! 🙂 )

    Ich lasse Dir wieder viele freundliche und liebe Grüße hier!

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    • meleskript schreibt:
      Avatar von meleskript

      Und nochmals ein riesiges Dankeschön für deine lieben Worte! Es ist nicht selbstverständlich, dass sich jemand so viel Zeit nimmt, um Kommentare zu verfassen.
      Ich freue mich auch sehr darüber, dass du nun meinem Blog folgst. Das ist echt eine tolle Motivation! Der Anfang in der „gemeinen“ Welt des Internets, ist nämlich gar nicht so einfach.
      Ich bin sehr gespannt, wie sich deine Texte anhören und nehme mir am Wochenende gerne Zeit, die verlinkten Beiträge durchzulesen. Gerne werde ich dir auch einen Gruss hinterlassen.
      Liebe Grüsse
      Natalie

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      • sternfluesterer schreibt:
        Avatar von sternfluesterer

        „Das ist echt eine tolle Motivation!“ – Das ist’s, was ich erreichen wollte. 😉 –

        Ja, ich nehme mir gern und bewusst Zeit, mich mit Menschen, die aus meiner Sicht Interessantes schreiben, auszutauschen. Ich bin schon seit mehr als sieben Jahren Blogger, und ich habe viele schöne und bereichernde Erfahrungen und Menschen sammeln bzw. kennenlernen dürfen. – Jemand, der das Lesen sehr liebt und gern schreibt, dem Sprache etwas bedeutet, ist für mich immer eine angenehme Erfahrung.

        Und Du bist augenscheinlich ganz genau so ein Mensch, der dieses Erfahren weiter zu bereichern vermag.

        Hab‘ gute Zeit am Wochenende, Natalie!

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