Komfortzone

Orte zu bestimmen, an denen du dich wohlfühlst, ist wichtig.

Menschen kennenzulernen, mit denen du ganz dich selbst sein kannst, ist eine Wohltat.

Tätigkeiten zu finden, in denen du aufgehst, ist etwas Wunderschönes.



Doch manchmal machst du es dir zu bequem in deiner Komfortzone.

Dann braucht es jemanden, der dich herausholt.

Jemanden, der dich ermutigt, einen Schritt weiterzugehen.

Jemanden, der dir zeigt, dass sich dein Horizont erweitern kann.



Es ist der jemand, der mit dir vom 3-Meter-Sprungbrett springt, obwohl du Höhenangst hast.

Es ist der jemand, der dir auf einer Party verschwörerisch zuzwinkert und dir Mut macht, obwohl du so ungern mit Fremden sprichst.

Es ist der jemand, der dich an der Hand nimmt und bei dem du genau weisst, dass ihr gemeinsam neue Komfortzonen findet.

Melancholie

Manchmal überfällt sie mich.

Einfach so.

Unangekündigt.

Die Melancholie.

Dann sitze ich am Fenster und blicke hinaus.

In der Hand meine Teetasse.

Fast wie ein Gemälde komme ich mir vor.

Anstatt durch das Glas die Landschaft draussen zu sehen,

blicke ich zurück.

Erinnere mich an das, was war.

An Menschen, die meinen Weg gekreuzt haben, jetzt aber wieder aus meinem Leben verschwunden sind.

An vergangene Erlebnisse, während derer ich nicht wollte, dass sich je etwas ändert.

So plötzlich wie sie gekommen ist, geht sie auch wieder.

Ein sanftes Kopfschütteln und ich bin zurück in der Gegenwart.

Geister einer Freundschaft

Manchmal holen sie mich unvermittelt ein. Die Geister unserer Freundschaft.

Ein altes Lied im Radio erinnert mich an die unvergessliche Partynacht in Bangkok.

Ein Polaroidbild in meiner Erinnerungskiste lässt mich zurückreisen an deinen 22. Geburtstag.

Das gelbe Oberteil zuhinterst in meinem Schrank führt mich zu jenem Tag, an dem wir es gemeinsam gekauft haben, weil wir es beide so toll fanden.

Es sind Erinnerungen an eine Freundschaft, die einmal war, heute jedoch nicht mehr ist.

Missetat

Hand in Hand rannten wir durch die Nacht.

Die nasse Kleidung klebte an unseren Körpern und kleine Wasserperlen flogen durch die Luft.

Hinter uns hörten wir sie rufen. Ihre Taschenlampen schnitten durch die Dunkelheit.

Doch gemeinsam waren wir unbesiegbar.

Lachend kletterten wir über den Zaun und schliesslich hörten wir sie nicht mehr.

Wir liessen uns schwer atmend ins noch immer warme Gras fallen. Dort fanden deine warmen Lippen die meinen.


Dieses Textfragment habe ich für #junipoeten lanciert von @joanajune_ geschrieben.

Sonntagmorgen

Das Sonnenlicht bahnt sich seinen Weg zögerlich unter dem geschlossenen Vorhang hindurch.

Es tastet sich über den Parkettboden und wirft erste Strahlen auf das Bett.

Ich erwache langsam, bin aber noch nicht bereit, meine Augen zu öffnen. Deshalb drehe ich dem Fenster meinen Rücken zu und döse weiter.

Es ist schliesslich das Vogelgezwitscher, das mich endgültig weckt.

Meine Hand tastet nach dem Smartphone auf dem Nachtisch. Mitten in der Bewegung halte ich jedoch inne.

Wenn ich es jetzt in die Hand nehme und den Flugmodus ausschalte, ist die Idylle des Morgens bereits vorbei.

E-Mails, WhatsApp-Nachrichten, Instagram-Benachrichtigungen und Push-Nachrichten diverser News-Apps würden mich aus meinem gemütlichen Kokon herausreissen. Die Realität würde wie ein unerwarteter Platzregen auf mich niederprasseln.

Das möchte ich heute hinauszögern. Es ist Wochenende. Ich habe keine Pläne. Weshalb mich also bereits von der ersten Minute an all diesen Einflüssen aussetzen?

Anstatt also mein Smartphone in die Hand zu nehmen, greife ich nach meinem Buch. Ich habe es gestern vor dem zu Bett gehen begonnen. Was gibt es besseres, als diesen gemütlichen Morgen wieder damit zu beginnen?

Mein Freund neben mir schläft noch tief und fest. Ich gebe ihm einen Kuss.

Auf Zehenspitzen husche ich zum Fenster und ziehe den Vorhang gerade soweit auf, dass ich genügend Licht zum Lesen habe.

Zurück im Bett ziehe ich die kuschelige Decke wieder eng um meinen Körper und öffne das Buch.

Heute stehe ich erst auf, wenn ich hungrig bin.