Niemals

Ich muss nur meine Augen schliessen

und du bist wieder da.

Dann höre ich deine Stimme,

sehe ich in deine funkelnden Augen,

kann beobachten wie sich dein Mund

langsam zu dem Lächeln verzieht,

das ich so unheimlich gern mag.

Rasch wird es zu schmerzhaft

und ich öffne meine Augen wieder.

Denn eines weiss ich sicher:

Zurückkommen wirst du niemals.

Glücklich sein

Manchmal gehe ich nach einem langen Arbeitstag die sonnengefluteten Strassen entlang und lasse mich ganz auf den Moment ein.

Ich atme tief ein und aus, schliesse für einen Moment die Augen und lasse die Sonne auf mein Gesicht scheinen.

Ich beobachte jedes Detail, vom kaputten Pflasterstein zu meinen Füssen bis zum verzierten Giebel hoch über meinem Kopf.

Wie ein Kind, das noch vollstes Vertrauen in die Welt hat, betrachte ich meine Umwelt und bin glücklich.

Glücklich mit mir
Glücklich mit meinen Entscheidungen
Glücklich mit meinem Leben.

Motivation

An manchen Tagen sind Motivation und Produktivität so weit weg, dass man Angst hat, sie kommen nicht wieder.

Wenn der Himmel seit Tagen grau ist und der Körper sich müde fühlt, erscheint selbst die kleinste Aufgabe wie ein Kampf.

Doch es wird wieder besser und wenn es soweit ist, erscheint dir der Gedanke, dass es niemals enden würde, lächerlich.

Nachtspaziergang

Meine Augen brennen.

Wieder habe ich den ganzen Tag vor dem Bildschirm verbracht.

Ein Blick auf die Uhr: Schon halb neun.

Draussen ist es dunkel und kalt.

Trotzdem noch ein Spaziergang an der frischen Luft?

Ja!

Dick eingepackt mit Kappe und Schal verlasse ich das Haus.

Die Strassen sind beinahe leer.

Leichter Nebel kommt auf.

Irgendwie unheimlich.

Ich kann meinen Atem sehen.

Mit schnellen, zielstrebigen Schritten gehe ich los, die Hände trotz Handschuhe tief in den Jackentaschen vergraben.

Meine Füsse tragen mich zum Park.

Ich möchte einen Blick auf die Aussicht werfen.

Ein paar andere Leute haben die selbe Idee.

Zwei Freundinnen haben eine Kerze und etwas zu trinken mitgebracht.

Unter mir funkelt das Lichtermeer der Stadt.

Ich atme tief ein und aus und schliesse für einen Moment die Augen.

Und immer, wenn ich dieses Lied höre

Und immer, wenn ich dieses Lied höre
Sehe ich dich vor meinem inneren Auge
Spüre deinen durchdringenden Blick auf mir
Fühle dieses Kribbeln im Bauch, dass du in mir ausgelöst hast

Und immer, wenn ich dieses Lied höre
Fällt mir alles wieder ein
Erinnere ich mich an unsere wilden, durchgetanzten Nächte
Nächte, in denen alles möglich war

Und immer, wenn ich dieses Lied höre
Spüre ich deine Umarmung und die Wärme, die von dir ausgeht
Rieche dein Parfum
Fühle den Stoff deines T-Shirts an meiner Wange

Und immer, wenn ich dieses Lied höre
Legen sich deine weichen Lippen wieder auf die meinen
Spüre ich, wir sich dein Atem beschleunigt und deine Hände mich umfassen

Und immer, wenn ich dieses Lied höre
Bist du sofort wieder bei mir auch wenn du für alle Zeit unerreichbar geworden bist

Herbstwanderung

Einen tiefen Atemzug nehmen und die frische Bergluft in den Lungen spüren.

Die Schuhe schnüren und den Rucksack schultern.

Loslaufen.

Steil geht es den Wanderweg hinauf.

Der Atem beschleunigt sich.

Zeit für eine Trinkpause.

Kühles Bergwasser, dass den Durst stillt.

Noch etwas weiter noch.

Da, der Aussichtspunkt.

Mit Blick über das Tal in seiner ganzen Herbstpracht.

Die Arme ausbreiten, tief ausatmen.

Glücksgefühle.

Eine kurze Pause in der Sonne.

Zeit für ein paar Seiten im aktuellen Buch.

2020, wo bist du hin?

Begonnen hast du verheissungsvoll.
Ich hatte so viele Pläne mit dir!
Ein Städtetrip nach Amsterdam im Frühling
Herumreisen in Irland
Konzertbesuche
Geburtstagsfeste
Die Liste liesse sich beinahe endlos weiterführen.

Die abenteuerliche Zuversicht wurde jä ausgebremst.
Das Leben stand plötzlich still.
2020, du kannst nichts dafür.
Dennoch wirst du als ungewöhnliches, ja unbeliebtes Jahr in die Geschichte eingehen.

Aus all den geplanten Erlebnissen wurden Wochenende und Abende zu Hause, ausgedehnte Spaziergänge und zu viele Videocalls.

Der Sommer brachte etwas Normalität zurück.
Treffen mit Familien und Freunden fanden wieder im realen Leben statt und gemeinsam verbrachten wir warme Sommerabende auf der Terrasse unseres Lieblingslokals oder im Garten.
Sogar für den Städtetrip nach Amsterdam hat es noch gereicht.

Ich blicke auf die Datumsanzeige. Es ist bereits September!
Und ich frage mich: 2020, wie bist du trotz Stillstand so schnell alt geworden?


PS: Liebe Leserinnen und Leser von Meleskript
Es war eine ganze Weile still hier. Ich versuche momentan, vermehrt an meinem Romanprojekt zu arbeiten, weshalb meine Kurzgeschichten etwas zurückstecken müssen. Ich werde trotzdem versuchen, vermehrt wieder hier aktiv zu sein und freue mich, wenn ihr mir die Treue haltet.
Liebe Grüsse
Natalie