Immer noch du | 2

Weisst du noch damals mit achtzehn?

Wir waren jung und frei.

Wir hatten keine Ahnung, doch das merkten wir nicht.

Wenn unsere Freunde nach wenigen Monaten eine Beziehung beendeten, fühlten wir uns überlegen.

Wie hätten wir ahnen können, dass es auch uns treffen würde?

Was wie ein Märchen begann, endete in einer Tragödie.

Immer noch du | 1

Es sind zehn Jahre vergangen, seit aus uns wieder ein du ohne ich wurde.

Doch manchmal wenn unser Lied im Radio läuft, denke ich wieder an

dich

uns

an das, was war.

Wie würde unser Leben aussehen, wenn wir es geschafft hätten?

Morgens auf dem Balkon

Mit geschlossenen Augen dem fröhlichen Gezwitscher der Vögel lauschen

Tief ein- und ausatmen, sich befreit fühlen

Die Augen langsam wieder öffnen

Ins Sonnenlicht blinzeln, glücklich sein

Die gelben Blumen betrachten und ihren süssen Duft riechen

Dann selig lächelnd das Buch aufschlagen

Lesend durch die Seiten fliegen bis die Sonne den Balkon erreicht und es fast zu heiss wird.

Komfortzone

Orte zu bestimmen, an denen du dich wohlfühlst, ist wichtig.

Menschen kennenzulernen, mit denen du ganz dich selbst sein kannst, ist eine Wohltat.

Tätigkeiten zu finden, in denen du aufgehst, ist etwas Wunderschönes.



Doch manchmal machst du es dir zu bequem in deiner Komfortzone.

Dann braucht es jemanden, der dich herausholt.

Jemanden, der dich ermutigt, einen Schritt weiterzugehen.

Jemanden, der dir zeigt, dass sich dein Horizont erweitern kann.



Es ist der jemand, der mit dir vom 3-Meter-Sprungbrett springt, obwohl du Höhenangst hast.

Es ist der jemand, der dir auf einer Party verschwörerisch zuzwinkert und dir Mut macht, obwohl du so ungern mit Fremden sprichst.

Es ist der jemand, der dich an der Hand nimmt und bei dem du genau weisst, dass ihr gemeinsam neue Komfortzonen findet.

Melancholie

Manchmal überfällt sie mich.

Einfach so.

Unangekündigt.

Die Melancholie.

Dann sitze ich am Fenster und blicke hinaus.

In der Hand meine Teetasse.

Fast wie ein Gemälde komme ich mir vor.

Anstatt durch das Glas die Landschaft draussen zu sehen,

blicke ich zurück.

Erinnere mich an das, was war.

An Menschen, die meinen Weg gekreuzt haben, jetzt aber wieder aus meinem Leben verschwunden sind.

An vergangene Erlebnisse, während derer ich nicht wollte, dass sich je etwas ändert.

So plötzlich wie sie gekommen ist, geht sie auch wieder.

Ein sanftes Kopfschütteln und ich bin zurück in der Gegenwart.

Geister einer Freundschaft

Manchmal holen sie mich unvermittelt ein. Die Geister unserer Freundschaft.

Ein altes Lied im Radio erinnert mich an die unvergessliche Partynacht in Bangkok.

Ein Polaroidbild in meiner Erinnerungskiste lässt mich zurückreisen an deinen 22. Geburtstag.

Das gelbe Oberteil zuhinterst in meinem Schrank führt mich zu jenem Tag, an dem wir es gemeinsam gekauft haben, weil wir es beide so toll fanden.

Es sind Erinnerungen an eine Freundschaft, die einmal war, heute jedoch nicht mehr ist.

Missetat

Hand in Hand rannten wir durch die Nacht.

Die nasse Kleidung klebte an unseren Körpern und kleine Wasserperlen flogen durch die Luft.

Hinter uns hörten wir sie rufen. Ihre Taschenlampen schnitten durch die Dunkelheit.

Doch gemeinsam waren wir unbesiegbar.

Lachend kletterten wir über den Zaun und schliesslich hörten wir sie nicht mehr.

Wir liessen uns schwer atmend ins noch immer warme Gras fallen. Dort fanden deine warmen Lippen die meinen.


Dieses Textfragment habe ich für #junipoeten lanciert von @joanajune_ geschrieben.